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Liebe Gemeinde,

das ist ja eine wahre Narrenrede, die uns an Karneval mit dem Sonntagsevangelium zufällt! „… wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.“ (Mt 5,39) Ich habe das als Jugendlicher einmal in großer Naivität wortgetreu ausprobiert – und bin ordentlich verdroschen worden.

Wer in dieser Welt auch nur vermeintlich(!) Schwäche zeigt, wird von Aggressoren gnadenlos aufgefressen und ausgemerzt. So sieht die Welt nun mal aus! Wie kommt Jesus dann aber dazu, uns in der Bergpredigt solche „Torheiten“ zuzumuten? Vielleicht hilft es ja, einfach mal anders zu denken, um Antwort auf diese Frage zu bekommen:

Ich glaube, was Jesus uns hier ans Herz legt, nimmt nicht am Menschen Maß, sondern am Handeln Gottes. Denn der ist es doch, den Menschen immer wieder mal mit fragwürdigen Gebeten zwingen wollen, ihnen zu Willen zu sein. Und was macht Gott? Er geht dennoch – im Bilde – nicht nur eine, sondern zwei Meilen mit und bleibt an unserer Seite. Gott ist es doch, dem Menschen Gewalt antun, wenn sie seine Schöpfung schänden und nicht zuletzt einander Böses wollen. Ihm schlagen wir – bildhaft gesprochen – ins Gesicht, und er lässt es geschehen, so als ob er auch noch die andere Wange hinhielte. In unseren Augen ist das töricht. Aber „die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott.“ heißt es in der 2. Lesung dieses Sonntags (1. Kor 3,19). Warum handelt Gott so ganz anders, als wir es von ihm erwarten würden?

Weil der all-mächtige Gott eine Schwäche hat. Er kann seine Geschöpfe, „den Nächsten“, nur wohlwollend lieben; auch da, wo sie ihm feindlich begegnen. Das ist die Wahrheit über Gottes Wesen, die Jesus kennt, weil er Gott ganz in sich trägt, eins ist mit ihm.

Nehmen wir sie an, diese Wahrheit Gottes, der sich um seines Wesens willen, nicht wehrt, nicht zurückschlägt, nicht straft, wenn er von seinen Feinden verhöhnt, verharmlost oder totgesagt wird? Was würde sich denn ändern, wenn wir diese Frage mit Ja beantworteten; mit einem gelebten Ja?

Wir würden uns, wenn man das so sagen darf, die „Haltung Gottes“ zu eigen machen, die uns Jesus Christus aufgezeigt hat; in seinem Wort und seinem Handeln. Wir würden aus der Haltung der Liebe Gottes heraus unser Leben führen und dann die uns gegebenen, geschöpflichen Handlungsmöglichkeiten nutzen; klug und welterfahren, solidarisch und wehrhaft. Denn: „Ihr sollt…vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist“ (Mt 5,48)

Lassen wir uns also ein auf diese Narretei Jesu! Denn Kinder und Narren sagen doch die Wahrheit; oder etwa nicht?

Diakon Gerd Klein

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