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Wort der Woche

wir stehen kurz vor dem Pfingstfest – die Geburtsstunde der Kirche. Besonders in den Vormonaten, in denen keine Gottesdienste stattfinden konnten, waren wir der Frage ausgesetzt: Wer sind wir als Kirche und wie leben wir Kirche?

Dann, wenn unser „Markenkern“ – die höchste Ausdrucksweise von Kirche-Sein, unsere Eucharistiefeier, nicht in gewohnter Weise gefeiert werden konnte, kann Kirche-Sein zur Bedrängnis werden, sowohl für den Einzelnen und gerade für die Gemeinschaft. Die Situation im Sonntagsevangelium bildet sie unsere so passend ab, wie es nur in bedrängenden Zeiten sein kann. Die Erfahrung der Jünger und der Mutter Maria nach Christi Himmelfahrt spiegelt unsere Realität wider – ob in Pandemiezeiten oder in Zeiten des tatsächlichen oder subjektiven Empfindens, dass etwas oder jemand fehlt. Bei aller Ermutigung Jesu, dass wir nie alleine sein werden, dass er uns den Beistand, den Heiligen Geist, geschenkt hat, es bleibt ein Stück des alleingelassen seins, dass etwas fehlt. Romano Guardini prägte in seinen Vorträgen „Vom Sinn der Kirche“ die Aussage: „Ein religiöser Vorgang von unabsehbarer Tragweite hat eingesetzt: Die Kirche erwacht in den Seelen“. Das, was im Obergemach in Jerusalem geschah, ist das Erwachen von Kirche in Menschen, deren Leben von Verzicht und Abschiednehmen geprägt war: Christus, als die Mitte, die gegenwärtig ist, zwar nicht mehr real, physisch spürbar für die Jünger, dennoch: ER ist da! Die engsten Menschen und seine Mutter mussten dies schmerzvoll in ihrem Leben einholen, Christi Gegenwart und die Erinnerung an ihm zum Erwachen bringen – in der Liturgie sprechen wir von „Anamnese“ –, das Kirche-Sein hervorheben und -rufen.

Es bietet uns ein tröstendes Bild. Menschen, die einander im Gebet stützen und beistehen, ob nun physisch gemeinsam oder daheim in Familie oder alleine. Menschen, welche sich nach Kirche sehnen, in ihnen erwacht sie nicht nur, sondern sie ist präsent, ob wir nun tatsächlich gemeindlich zusammenkommen (dürfen) oder nicht. Wer weiß, wie unser Kirche-Sein sich gestaltet, wenn wir alle wieder in unseren gemeindlichen Gruppierungen, bei Aktivitäten und Gottesdiensten vereint sind. Auch das gehört zu Kirche-Sein: es wird nie so sein, wie es einmal war, denn Kirche erwacht auch immer wieder von Neuem in jedem Einzelnen, vielleicht anders. Und immer bleibt einer, der uns eint: Christus selbst!

Ihre
Pastoralreferentin Carmela Verceles

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