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Wort der Woche

Als der spätere Bundespräsident Gustav Heinemann in einer Auseinandersetzung über die Wiederbewaffnung der noch jungen Bundesrepublik gefragt wurde, ob er diesen Staat denn nicht liebe, antwortete er etwas unwirsch: „Ach was, ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau; fertig!“ Seine Antwort hat mir schon immer gefallen.

Jetzt kommt sie mir in den Sinn, weil ich mich frage, wie man GOTT überhaupt lieben kann. Genau das fordert ja das erste Gebot der Heiligen Schrift, von dem wir im Sonntagsevangelium hören. Nun ist GOTT für den Glaubenden zwar kein dem Staatswesen vergleichbares, bloß abstraktes Gebilde. Aber so konkret, so hautnah spürbar, wie ein Mensch aus Fleisch und Blut, den ich im Arm halten und liebkosen kann, ist „er“ nun mal auch nicht. Wie soll das also gehen, GOTT – für mich selbst erfahrbar – zu lieben; „mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all meinen Gedanken“?

Jesu selbst zeigt auf, wie das geht. Auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot führt er nämlich nicht nur eines an, sondern gleich zwei. Und er sagt dazu, ebenso wichtig, wie das Gebot der Liebe zu Gott sei das Gebot der Liebe zum Nächsten (Mt 22,37-39). Das eine ist vom anderen nicht zu trennen. Dass ich Gott wirklich liebe, wird mir dort gewahr, wo ich mich „dem Nächsten“ zuwende. „Der Nächste“, das können dann z.B. die Gefährten sein, mit denen ich lebe. Das können auch ganz fremde Menschen sein. Das können darüber hinaus alle möglichen Lebewesen sein und Landschaften, die wir schützen und bewahren möchten; einfach deshalb, weil sie sind. Und nicht etwa, weil wir auf sie angewiesen sind, sondern, weil sie es uns um ihrer selbst willen wert sind, dass sie sind.

Wer in dieser Weise wohlwollend und bejahend dem Leben und der Welt um sich herum begegnet, die doch ihren letzten Grund in Gott selber haben, der erfährt dabei zugleich, dass er wirklich GOTT liebt und selber hineingenommen ist in dessen grenzenlose Liebe. – Kann es etwas Größeres zu erfahren überhaupt geben? Freilich, solch eine Haltung fällt nicht vom Himmel. Lieben muss nun mal wollen. Deshalb ist es uns als ein Gebot, eine Weisung, gegeben, an der wir uns ausrichten sollen: Gottesliebe und Nächstenliebe sind eins. Sie zu befolgen, ist der Königsweg zu einem erfüllten Leben. So einfach ist das.

Ihnen allen einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche,
Diakon Gerd Klein

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